Kraft und Stoff
Gaswirtschaft: Mehr Biokraftstoffe / Elbe-Jeetzel-Zeitung 23.10.2006

 

 

Gaswirtschaft: Mehr Biokraftstoffe

 

3. Internationaler Bio/Erdgasfahrertag in Dannenberg - Zweite Biogastankstelle geplant

fk Dannenberg. Erdgasfahrer sind eine verschworene Gemeinschaft. Bei durchzugs- und drehmomentversessenen Autofahrern gelten sie als etwas verschroben, aber niedlich.


Umso mehr genießen es die Fahrer von erd- oder biogasgetriebenen Autos, wenn einer der ihren dem Rest der Welt die verkannten Qualitäten ihrer Technik beweist. Wenn zum Beispiel ein Erdgasauto beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring lediglich die großen Werksteams als eine andere Liga akzeptieren muss. Oder wenn erdgasüberzeugte Tüftler einen Sportrenner basteln, der aus weniger als zwei Liter Motorvolumen 265 PS herausholt und in 4,6 Sekunden auf Hundert ist. Nicht, dass Erdgasfahrer ein solches Auto fahren möchten. Sie sind beim Autokauf eher praktisch veranlagt. Aber zu wissen, dass ihre Technik mithalten kann, löst stille Freude aus. Andere Autobesitzer tanken Superplus, um noch das letzte Quäntchen Mehrleistung aus ihrem Wagen herauszuholen. Erdgasfahrer sind darüber erhaben. Was sind schon 98 Oktan? Bio- und Erdgas bringen es leicht auf 130. Der Anlass, sich solcher Gemeinsamkeiten zu versichern, ist der »Internationale Erdgasfahrertag». Der dritte fand am Sonnabend in Dannenberg statt. Es waren nicht gerade Massen, die auf das Gelände des Hermann-Stolte-Reiterstadions strömten. Aber Fahrzeugkennzeichen aus allen Gegenden Deutschlands, dazu aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, zeigten die Verteilung der Erdgasfahrerfamilie an. Sie wird täglich größer.

Birgit Maria Wöber von der Veranstalterfirma Gibgas war nicht unzufrieden mit dem Besuch. Schließlich habe man ganze sechs Wochen Zeit gehabt. Nur weil im Wendland die Initiative Region aktiv so schnell auf den Vorschlag, den 3. Internationalen Erdgasfahrertag hier abzuhalten, reagierte, war es überhaupt möglich, dieses Treffen zu organisieren. Am Sonnabend fuhren die Besitzer von Bio/Erdgasautos ins Dannenberger Reiterstadion ein. Auffallend oft waren es kleine Dienstleistungsfirmen, die den Schriftzug Erdgas an ihrem Wagen führten. In dieser Runde ist auch Eon/Avacon, sonst unter Umweltbewussten eher ablehnend betrachtet, willkommen. Schließlich betreibt der Energiekonzern viele Erdgastankstellen. In Jameln hat er dazu beigetragen, Deutschlands erste Biogastankstelle einzurichten. Mit Kritik müssen Avacon-Vertreter zwischen Bio/Erdgasfahrern nicht rechnen. Nur Positives hatten die Eröffnungsredner zu vermelden. Samtgemeinde-Bürgermeister Jürgen Meyer berichtete von Bestrebungen, in Dannenberg eine weitere Biogastankstelle einzurichten. Harald Ottmer sicherte im Namen der Landesregierung Unterstützung zu. »Bioenergie ist für Niedersachsen von größter Wichtigkeit», erklärte er. Bis 2010 sollen acht Prozent des Primärenergieverbrauchs im Lande aus Bioenergie kommen. Für den ländlichen Raum bedeute das ein großes Wertschöpfungspotenzial. Allein in Niedersachsen könnten jährlich 5,5 Mio. Megawattstunden Strom aus Biogas erzeugt werden. Zu 35 Prozent wird derzeit dieses Potenzial genutzt, erfuhren die Zuhörer vom Regierungsvertreter. Wenn nur ein Viertel der möglichen Biogasmenge zu Kraftstoff angereichert würde, könnten damit jährlich 180 Mio. Liter Benzin ersetzt werden. Positives vermeldete auch die Gaswirtschaft, die zehn Prozent der Kraftstoffe aus biogenen Quellen bereitstellen möchte. Die Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock (CDU) war voll des Lobes für die regenerativen Energien. Man müsse die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten verringern. Kaum anders sieht das ihr SPD-Kollege Klaus-Peter Dehde, der auf den einzigen noch bestehenden Unterschied der Meinungen hinwies: im nächsten Monat gehe es in Dannenberg um eine andere, die rückwärtsgewandte Form der Energieerzeugung. Gemeint war der Castor-Transport.

 
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