Kraft und Stoff
Entwickler und Politiker setzen auf Alternativen / Elbe-Jeetzel-Zeitung 24.10.2006

Entwickler und Politiker setzen auf Alternativen

 

Europaabgeordnete Harms: EU will verbindliche Ausbauziele für Erneuerbare Energien formulieren

fk Dannenberg. Bio-/Erdgas soll als Kraftstoff für Fahrzeuge an Bedeutung gewinnen. Darin stimmen alle politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger überein, die am Sonnabend beim 3.


Internationalen Erdgasfahrertag in Dannenberg zu hören waren. Von der EU über nationale Zielsetzungen und Absichten der Landesregierung bis zu den Entwicklungsabteilungen der Autounternehmen und der Gaswirtschaft machten Repräsentanten dieser Institutionen deutlich, dass Bio-/Erdgas im Tank künftig eine der Säulen des Autoverkehrs sein wird. Nicht immer muss es sich dabei um das Modell Jameln handeln. Der Aufbau reiner Biogastankstellen ist nur eine Variante dieses künftigen Versorgungsnetzes. Eine andere wäre die Einspeisung des aufbereiteten Biogases in die vorhandenen Erdgasnetze.

Für das Jamelner Modell der Biogasanreicherung auf Erdgasqualität interessieren sich Stadtwerke und Energieversorger in vielen Gegenden. Am Tag vor dem Erdgasfahrertag ließen sich etwa 20 Vertreter von Stadtwerken in Hitzacker von Region aktiv das Jamelner Projekt erläutern. Sie betreiben in der Regel eigene Biogasanlagen oder planen dies. Das Gas möchten sie in das Erdgasnetz einspeisen. Bei Region aktiv glaubt man, die eigene Erfahrung mit dem Entwicklungsprozess der Biogastankstelle künftig zu Geld machen zu können. »Man kann versuchen, das Know-how zu versilbern», meint Regionalmanager Michael Wedler. Interesse könnte es auch bei der Ruhrgas AG geben. Die plant nach Auskunft eines Vertreters der Gaswirtschaft bis zu 150 neue Bio-/Erdgastankstellen in der Nähe der Autobahnen. Dort gibt es nur selten Anschlüsse ans Erdgasnetz. Stattdessen wären Insellösungen möglich, reine Biogastankstellen in der Nähe von Raststätten.

Eine Runde von Autoentwicklern gab dem Moderator Klaus Wick Auskunft über künftige Entwicklungen im Bereich Bio-/Erdgasfahrzeuge. VW kündigte eine neue Motorenlinie an, die für den Gasantrieb besonders geeignet sei. Bei den Nutzfahrzeugen soll der Caddy in einer größeren Variante aufgelegt werden. Fiat kann auf die lange Erfahrung mit Gasantrieben aus Italien zurückgreifen. Bio-/Erdgas sei eine Säule der Entwicklung, meinte ein Fiat-Vertreter. Opel arbeitet an einem Turbo für den Bio/Erdgasantrieb. Für alle Hersteller gilt: die Nachfrage ist größer als das Angebot. Dabei stoßen interessierte Käufer nicht immer auf ein verkaufsinteressiertes Personal bei den Händlern. Dort wüssten die Verkäufer oft nicht über den Gasantrieb der eigenen Fahrzeuge Bescheid, klagten Fahrer. Stattdessen böten sie möglichen Käufern Diesel-Fahrzeuge an.

Der Hybrid-Antrieb werde in Europa nicht den gleichen Stellenwert bekommen wie in den USA. Für diese Feststellung erhielt ein VW-Mitarbeiter die Zustimmung seiner Kollegen aus anderen Unternehmen. Hybrid sei in den USA nur deshalb eine interessante Alternative zum Ottomotor, weil es dort so gut wie keine Dieselfahrzeuge gebe. Brennstoffzelle und Wasserstoffantrieb dagegen werden von den Konstrukteuren noch eine lange Entwicklungszeit bescheinigt. Es gebe noch viele Probleme.

In Brüssel fallen im nächsten Jahr Entscheidungen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützen werden. Die Europaabgeordnete der Grünen, Rebecca Harms, erwartet verbindliche Ausbauziele bis hinunter auf die Ebene der verschiedenen Sektoren, etwa bei Wärme. Bis 2020 soll 20 Prozent des Energieverbrauchs über erneuerbare Energien abgedeckt werden. Hinzu sollen nach den Plänen der EU 20 Prozent Energieeinsparungen durch Effizienzverbesserungen kommen. Biogas als Kraftstoff spiele in Brüssel eine große Rolle. Allerdings Biogas in einem Auto mit geringerem Verbrauch als heute.

 
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