Kraft und Stoff
Biogas statt Erdgas in den Tank / v. 30.April 2005

Biogas statt Erdgas in den Tank

Aus: Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 30. April 2005

RWG Jameln baut Biogas-Aufbereitungsanlage - »Region aktiv» fördert Pilotprojekt

fk Dahlenburg. Mit den Pflanzen, die auf einem Hektar Acker wachsen, könnte ein normaler Pkw 60000 Kilometer fahren. Jedenfalls dann, wenn die Biomasse der Pflanzen in Biogas umgewandelt wird.

Und wenn dessen Methananteil auf über 90 Prozent verdichtet wird. In einigen Ländern wird das bereits gemacht. Ab Herbst soll das auch in Lüchow-Dannenberg der Fall sein. Die Raiffeisen-Warengenossenschaft Jameln (RWG) nimmt im September eine Aufbereitungsanlage für Biogas in Betrieb. Das Projekt wird von »Region aktiv» gefördert und vom Erdgas-Lieferanten Avacon unterstützt.

Bei der Vorstellung erklärte RWG-Geschäftsführer Hans-Volker Marklewitz am Donnerstag in Dahlenburg, man sei auf der Suche nach neuen Absatzwegen für landwirtschaftliche Produkte. Deshalb wird die Genossenschaft eine Biogasanlage in der Größenordnung von 600 kW bauen.

Ein Teil des darin erzeugten Biogases soll abgezapft und in einer Aufbereitungsanlage zur treibstofffähigem Gas aufbereitet werden. Geplant ist ein Anteil von maximal zehn Prozent der anfallenden Biogasmenge. Nach Angaben von Manfred Ebeling, dem Vorsitzenden des Vereins »Region aktiv», würde dieser Anteil etwa 300 kg Gas täglich ausmachen. Die Anlage sei die erste in Deutschland. Allerdings sei sie lediglich als Modellvorhaben, als Pilotprojekt geplant. Die Menge reiche nicht zu einem wirtschaftlichen Betrieb. Man wolle lediglich zeigen, dass es funktioniert. Die Umsetzung zu einer wirtschaftlichen Nutzung müssten anschließend andere Unternehmer übernehmen.

Der aus Ackerpflanzen gewonnene Treibstoff soll über die Tankstellen der RWG Jameln vertrieben werden. Es sei ein Risiko dabei, meinte Horst Seide, stellvertretender Vorsitzender von »Region aktiv». Es gebe noch keine Gasfahrzeuge in der Region, die den Treibstoff brauchen könnten. Allerdings kann jedes erdgasgetriebene Fahrzeug auch dieses Biogas fahren, erläuterte Michael Wedler, Geschäftsführer von »Region aktiv».

Anders als bei der Erzeugung anderer erneuerbarer Energien, die nach dem EEG gefördert werden, sei der Absatz hier nicht gesichert, meinte Ebeling. Aber die Landesregierung habe signalisiert, dass sie das Projekt gut finde. Sie wolle helfen, den Biogastreibstoff bekannt zu machen. Es sei die Frage von Huhn oder Ei: erst Fahrzeuge und dann das Versorgungsnetz aufbauen oder umgekehrt, hieß es bei der Vorstellung.

Die Biogastechnik sei jedenfalls die Technologie, die pro Hektar am meisten Treibstoff liefern könne, meinte Seide. Mehr als etwa Ethanol oder Biodiesel. Die Ökobilanz sei positiver als bei diesen anderen Arten. Einen weiteren Vorteil sah Geschäftsführer Marklewitz im Preis: Verglichen mit dem Biogastreibstoff dürfte Normalbenzin höchstens 50 Cent kosten.

Die Idee wurde nach Angaben der Initiatoren nach der Verabschiedung des EEG geboren. Damit sei die Nutzung erneuerbarer Energien aus der Phase der Innovationen herausgetreten, erläuterte Seide. Weil man sich bei Region aktiv aber als Einrichtung zur Suche nach Neuem versteht, habe man sich umgesehen. Bei der Avacon sei man auf Interesse gestoßen. Die Betreiber der Erdgasnetze möchten selbst in die Treibstoffversorgung einsteigen. Alle 25 Kilometer, so die Avacon-Überlegungen, sollte eine Gastankstelle auf dem Land entstehen. Deshalb arbeite man mit Avacon bei der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes der RWG Jameln zusammen. Diese Begleitung kostet 93000 Euro. Die Anlage wird mit 300000 Euro kalkuliert. Region aktiv gibt einen Zuschuss von 100000 Euro. Am 13. Mai soll der erste Spatenstich von Bundesverbraucherministerin Renate Künast vorgenommen werden.

 

 
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