Kraft und Stoff
Loblieder auf erneuerbare Energien / aus: Elbe-Jeetzel-Zeitung 23.06.2006

Loblieder auf erneuerbare Energien

Aus: Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 23. Juni 2006

 

In Jameln wurde gestern Deutschlands erste Biogas-Tankstelle in Betrieb genommen

 

fk Jameln. Fast wäre der Plan, in Jameln die erste Biogastankstelle Deutschlands zu errichten, doch noch schief gegangen. Nachträglich, am Tage der Eröffnung, konnte Geschäftsführer Hans-Volker Marklewitz von der Raiffeisen-Warengenossenschaft über diese heikle Phase reden.

Denn es war schließlich alles gut gegangen. Die Anlage läuft, erklärte er gestern Nachmittag vor einigen hundert Gästen auf dem Raiffeisen-Gelände am Jamelner Bahnhof.

Laufen tut auch das erste Auto mit dem Kraftstoff aus den Faultürmen der Biogasanlage. Lüchows Bürgermeister Jürgen Schulz übernimmt das erste in Jameln betankte Serienfahrzeug. Den Tankautomaten nahm zuvor Clemens Neumann in Betrieb. Neumann ist Büroleiter im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Als Abteilungsleiter ist er auch zuständig für Erneuerbare Energien. Auf deren wachsende Bedeutung wurden an diesem Tage von allen Seiten Loblieder gesungen. Seehofers Vorgängerin Künast habe eine kleine Revolution hinterlassen, meinte Marklewitz in der zur Festhalle umfunktionierten Maschinenhalle der Genossenschaft. Landrat Dieter Aschbrenner (CDU), sonst eher ein Skeptiker in Sachen erneuerbare Energien, bescheinigte den Initiatoren des Projektes, genau zum rechten Zeitpunkt gekommen zu sein. Vor vier Jahren, als die Planungen für das Projekt begannen, hätten auch die größten Optimisten nicht damit rechnen können, was für ein wegweisendes und herausragendes Projekt dabei herauskommen würde. Besonders bemerkenswert sei es, dass es den Akteuren gemeinsam gelungen sei, das Vorhaben zu realisieren.

Ähnliche Zustimmung kam von Dannenbergs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer und Jamelns Bürgermeister Udo Sperling. BMELV-Vertreter Clemens Neumann betonte die Kontinuität in der Politik des Ministeriums. Schließlich seien von dort 100000 Euro Zuschuss geflossen. Wer Neues denke, gelte so lange als Spinner, bis sich das Neue durchgesetzt habe, erinnerte Neumann an die Außenseiterrolle, in die noch vor wenigen Jahren geriet, wer Projekte wie das in Jameln propagierte. Inzwischen habe sich die Industrie verpflichtet, bis 2020 den fossilen Kraftstoffen einen Anteil von 20 Prozent Biomethan beizumischen. Für die regionale Entwicklungsinitiative Region aktiv erläuterte deren Vorsitzender Horst Seide die Überlegungen, die zu dem Projekt geführt haben. Die Gaswirtschaft selbst habe Berechnungen angestellt, wonach der Umsatz für Energie aus landwirtschaftlicher Produktion in den nächsten beiden Jahrzehnten auf 20 Mrd. Euro anwachsen könnte. Zum Vergleich: Heute liegt der Gesamtumsatz der Landwirtschaft bei 40 Mrd. Euro. Es werde sich etwas ändern in der Landwirtschaft, meinte Seide.

Und zwar zum Guten, ergänzte Landvolkpräsident Werner Hilse. Neben der Nachfrage nach Energierohstoffen vom Lande steige auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Beides zusammen biete der Landwirtschaft gute Chancen in der Zukunft. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit seiner Entgeltregelung für die Einspeisung von Grünstrom nannte Hilse eine gute politische Entscheidung.

Bei der Raiffeisen-Warengenossenschaft sei man schon immer aufgeschlossen gewesen, meinte Hans-Volker Marklewitz. Hier sei die erste Tankstelle betrieben worden, an der Biodiesel getankt werden konnte. Schwierigkeiten gab es bei der Realisierung des Projektes, weil die zunächst eingeplante Anreicherungsanlage nicht genutzt werden konnte. Eine neue Anlage hätte den Finanzrahmen gesprengt.
Nach einer Suche im gesamten Bundesgebiet fand Dr. Ernst Schoettle, der für das Jamelner Projekt die Fachberatung übernahm, eine finanzierbare Lösung. Nach diesem Tag der Eröffnung der ersten Biogastankstelle in Deutschland werde die Herstellung von Biogas und Kraftstoff wohl zum Alltag werden auf dem Betriebsgelände der Genossenschaft, meinte Geschäftsführer Marklewitz.

 
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